Sonntag, 29. Mai 2011

Mein kleines Universum

Mein kleines Universum gehört nur mir allein. Hier baue ich mir alles selbst. Schaffe mir Sonnen, um die alles kreist, und Planeten, auf denen ich sitzen und mitfliegen kann, wenn ich Lust dazu habe. Ich male sie bunt - rot, gelb und grün. Rosa, wenn ich will. Einige bestreue ich mit Glitzerstaub, damit man sie schon von Weitem sehen kann. Andere sind so unscheinbar, dass ich manchmal selbst vergesse, dass sie da sind. Manche haben Ecken und Kanten. Andere sind kugelrund. Und um mich herum leuchten tausend Sterne, die irgendwo in der Ferne Bilder malen. Manchmal strecke ich die Hände nach ihnen aus und es ist fast so, als könnte ich sie berühren. Dabei sind sie weit, weit weg. Unerreichbar. Aber wunderschön anzusehen.
In mein kleines Universum habe ich sehr lange niemanden mehr eingelassen. Weil ich es nicht teilen wollte. Und weil ich immer Angst hatte, es könnte kaputtgehen. Wie eine Schneekugel, die fremde Hände fallen lassen. Plötzlich liegt sie in Scherben und das Wasser läuft aus. Dann bleibt nur die Erinnerung, irgendwo zwischen den Glassplittern, und wer danach greift, sticht sich in die Finger. Aber mein kleines Universum soll niemand zerstören, denn ich habe es mir so lange zurechtgebogen, bis ich gerade einmal das Gefühl habe, alles würde endlich passen und alles wäre gut so, wie es ist.

Und dann kommst du und stellst alles auf den Kopf. Von heute auf morgen. Einfach so. Mein ganzes, kleines Universum. Kommst einfach so daher und wirfst alles um. Dabei kann ich mich nicht einmal daran erinnern, wann ich dir die Tür geöffnet habe. Wahrscheinlich hast du sie selbst aufgemacht, als ich gerade damit beschäftigt war, neue Sterne aufzukleben.
Jetzt bist du da und sortierst neu, ordnest meine Planeten ganz anders an, mischst rote und gelbe und grüne. Du machst, dass die Sterne am Himmel neue Bilder malen, die ich nicht geschaffen habe. In jedem davon sehe ich dein Gesicht. Wirst selbst zur Sonne, um die mein Universum kreist.

Du sorgst dafür, dass plötzlich alles anders ist und irgendwie doch so viel besser. Dabei hatte ich doch geglaubt, gerade die optimale Lösung gefunden zu haben.
Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst. Angst, du würdest alles verändern und es könnte mir am Ende gar nicht mehr gefallen. Mein schönes Universum. Ich weiß nicht, ob ich die Kraft dazu hätte, von vorne zu beginnen und alles wieder neu zu bauen. Es wäre nie wieder dasselbe, selbst wenn man die Scherben klebt. Die Risse würde man auch in Jahren noch sehen. Doch jetzt habe ich es dir anvertraut, mein Universum, mein Heiligtum. Mein Ein und Alles. Ich weiß nicht einmal warum. Warum gerade dir. Deshalb geh bitte vorsichtig damit um, damit nichts zerbricht und strafe mein Vertrauen nicht lügen.

Mein kleines Universum gehört nicht mehr nur mir allein. Aber das macht nichts. Denn jetzt fühle ich mich nicht mehr so einsam darin. Und mir gefällt, was du daraus gemacht hast. Und vielleicht, ja, vielleicht teilst du auch irgendwann dein kleines Universum mit mir.

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