Dienstag, 21. Dezember 2010

Alle Jahre wieder - Anekdoten von hinter der Ladentheke

21. Dezember

Weihnachten ist zwar das Fest der Liebe und der Familie, nicht aber das Fest der Kreativität. Das wird einem schnell klar, wenn zum fünften Mal in Folge rot-grün gestreifte Stricksocken unter dem Weihnachtsbaum liegen oder auch der bunt bedruckte Gutschein eines Klamottengeschäfts.
Manchmal kann fehlende Kreativität aber auch wegweisend sein. Im Buchladen zum Beispiel.
Da, wo die Regale vorwiegend schwarz, weiß und rot bestückt sind, findet man ganz zuverlässig die Krimis. Kaum ein Buchcover tanzt da farblich aus der Reihe und auch die Motivwahl, falls überhaupt vorhanden, lässt keine Irreführung zu. Selbst die Neuauflage von Henning Mankells Dauerseller »Die Hunde von Riga« wird zum Einheitsbrei, um bloß keine zu anspruchsvolle Fassade zu zeigen. Es könnte sich ja gehaltvolle Literatur dahinter verbergen. Um Gottes Willen ...
Aus dem Sachbuchregal heraus wird man von allerhand Prominenz und Möchtegern-Prominenz genaustens beobachtet und im Jugendbuchregal tummeln sich mindestens ebenso viele junge Damen wie davor, die allesamt auf ihren Traumprinzen warten. Aber bitte keinen Vampir, die sind schon wieder out. Die Dame von heute bevorzugt Werwölfe oder noch besser einen Engel.
Doch die offensichtliche Ideenlosigkeit der Covergestalter hat hin und wieder auch gewisse Vorteile und den Buchhändler freut’s.
Wenn mal wieder ein hilfloser Herr an der Kasse nachfragt, wo er die Frauenromane finden könne – »Sie wissen schon, diese Liebesschnulzen und so« – antwortet man ganz kompetent:
»Da hinten, auf dem Tisch. Die blauen Taschenbücher mit den Wattewölkchen und der weißen Schnörkelschrift.«

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