Montag, 20. Dezember 2010

Alle Jahre wieder - Anekdoten von hinter der Ladentheke

20. Dezember

Damit am heiligen Abend alle Geschenke hübsch unter dem Baum liegen können, braucht man vor allem zwei Dinge:
Erstens: große Mengen an Geschenkpapier und zweitens: eine noch größere Menge an Zeit.
Allerdings gibt es immer Mittel und Wege, sich beides zu ersparen. Den Buchhändler als Einpackservice herhalten zu lassen, ist da eine sehr beliebte Möglichkeit.
»Fräulein, können Sie mir das ein bisschen einpacken?«, ist eine oft gehörte Frage in diesen Tagen, häufig auch abgewandelt zur Feststellung »Das packen Sie mir doch noch ein bisschen ein«.
Während man sich die Frage verkneift, welche Ecke der Kunde denn freizulassen wünscht oder ob man es nicht doch lieber ganz einpacken solle statt nur ein bisschen, fragt man pflichtbewusst nach dem Kassenzettel für die bezahlte Ware. Und erntet einen verwirrten Blick.
»Ja wie, zuerst zahlen? Sie meinen, ich soll ERST zur Kasse und DANN wieder hierher zurück ...?«
Murrend wird der Aufforderung aber am Ende doch meist nachgekommen und kurze Zeit später steht selbiger Kunde erneut vor dem eigens eingerichteten Einpacktisch.
Fleißig beginnt man, das bereits vorbereitete Papier um den Bildband zu wickeln, als man jäh unterbrochen wird.
»Aber Fräulein, haben Sie denn kein schöneres Papier?«
Wenn man statt des rot-goldenen Sternenpapiers das schneeflockenverzierte Kinderpapier zur Auswahl stellt, bleibt es auf wundersame Weise dann doch immer beim Alten. Doch wer sich jetzt schon sicher glaubt, der irrt.
»Fräulein, was machen Sie denn jetzt? So doch nicht! Das macht man so ...« Der Kunde legt selbst Hand an, schließlich hat er doch viel mehr Ahnung als die junge Dame, die ihm da als Einpackservice vor die Nase gesetzt wird. Vermutlich hat sie gerademal an die tausend Geschenke verpackt! Tss, also so was. Völlig unqualifiziert.
»Fräulein, haben Sie kein anderes Schleifenband da? Grün oder lila vielleicht?«
Man verneint, bietet aber stattdessen gern das pinke an, während man insgeheim darüber nachdenkt, welches der zahlreichen Einpackutensilien sich wohl als potenzielle Mordwaffe am besten eigenen würde. Vielleicht der Klebestreifenabroller? Oder der Tacker auf dem Tisch nebenan?
Nun, den verwendet man stattdessen, um sich die Mundwinkel wieder in angemessener Höhe im Gesicht zu befestigen und flötet dem Kunden beim Gehen betont freundlich hinterher:
»Schöne Feiertage und ein besinnliches Fest!«

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