Mittwoch, 15. Dezember 2010

Alle Jahre wieder - Anekdoten von hinter der Ladentheke

15. Dezember

Die Technik schreitet immer weiter fort, auch im Buchhandel. Besonders als Weihnachtsgeschenke sind neumodische Errungenschaften heiß begehrt. Da bekommt der Opa den neuen E-Reader geschenkt, mit Vergrößerungsfunktion statt der gewünschten Leselupe und mit Touchscreen, damit er auch die Tasten gar nicht erst entschlüsseln muss.
Die Tochter im Grundschulalter bekommt einen Sprachcomputer – vielleicht werden die überaus praktischen Dinger ja zum Abitur zugelassen, bis die Kleine so weit ist. Dann könnte sich Mutti die teuren Wörterbücher sparen, falls das Kind zum Sprachgenie mutiert. Diese Monster im Schulranzen machen sowieso nur den Rücken kaputt und töten außerdem zahllose Bäume!
Doch auch der moderne Buchkunde von heute ist nicht auf jedem Gebiet so technikaffin, wie der erste Eindruck den unbedarften Buchhändler glauben machen will.
Der Hinweis, dass der Kunde von außerhalb seine Bestellung auch über die Buchhandlungshomepage aufgeben könne, um das Buch bequem nach Hause geliefert zu bekommen, wird staunend zur Kenntnis genommen, gefolgt von der Frage »Kann ich das auch hier bei Ihnen bestellen lassen?«.
Und auch die Aussage »Ihr bestelltes Buch sollte dann morgen früh ab neun Uhr da sein« mündet oft in glupschäugiges Schweigen, durchbrochen von einem zaghaften »Was, so schnell? Aber morgen habe ich gar keine Zeit ...?«
Das beste Schauspiel von Gesichtsausdrücken bekommt man aber immer dann zu sehen, wenn man dem Kunden mitteilen muss, dass sein gesuchtes Buch bereits vergriffen ist.
»Wird das gar nicht mehr aufgelegt?«
»Sieht nicht so aus.«
»Aber ich hab das doch so oft gekauft!«
Nachdem der erste Sturm der Enttäuschung vorbeigezogen ist, leitet man die zweite Phase ein, und zwar mit den Worten »Ich kann es natürlich noch antiquarisch versuchen ...«
Umgehend erhellt sich das Gesicht des Kunden wieder, auch wenn er keinen Schimmer hat, wovon die Rede ist. Zeigt man ihm dann das reiche Angebot gebrauchter Bücher im diesem ... Dings, diesem ... Internet und gibt ihm zu verstehen, dass man diese auch beschaffen könne, hat man einen neuen besten Freund gewonnen. Dass der Kunde in diesem Fall etwas länger auf den gewünschten Schmöker warten muss, stört da meist gar nicht mehr, denn das wird von dem einen Gedanken verdrängt: Was es nicht alles gibt!
So manchen Kunden sieht man dann aber trotz allem schneller wieder, als einem lieb ist.
»Ist mein bestelltes Buch schon da?«
»Wann haben Sie’s denn bestellt?«
»Na vor zwei Stunden schon!«

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