Sonntag, 12. Dezember 2010

Alle Jahre wieder - Anekdoten von hinter der Ladentheke

12. Dezember

In der Weltliteratur gibt es bekanntlich viele unterhaltsame Titel. Dumm nur, dass die meisten davon zum Leidwesen vieler Schüler gar nicht mehr so unterhaltsam sind, wenn man die Buchdeckel aufklappt. Vermutlich würden sich die großen Literaten vergangener Zeiten im Grabe herumdrehen, sollten sie jemals erfahren, was man heute aus ihren Werken macht.
Dass der amerikanische Tourist nach dem großen deutschen Dichter ›Go-Ithi‹ fragt, ist zu verzeihen, auch wenn der Buchhändler eine Weile braucht, bis er auf Goethe kommt.
Dass der junge Mann, der nach »Effi Biest« verlangt, vermutlich im Deutschunterricht mit »Effi Briest« gequält wird, kann man sich auch noch denken. Dass der Roman aber eine Gemeinschaftsproduktion von Goethe, Schiller und Heine ist, die sich den Decknamen »Theodor Fontane« vermutlich nur aus Verschwörungsgründen gaben, ist weniger bekannt. Ebenso wie Hermann Hesses Werk »Nazis in Dortmund« oder Dürrenmatts »Die alte Frau kommt vorbei«.
»Haben Sie auch Bücher von Maria Stuart oder Emilia Gallotti da?« wird hin und wieder gefragt und ab und zu wird auch ›Der Käfer‹ von Kafka erfolgreich an den Mann oder die Frau gebracht.
Und wenn eine von sich überzeugte Mutter in den Laden stürmt und meint »Ich suche ›Die Faust‹!«, zieht man die Mundwinkel notfalls auch gewaltsam wieder eine Etage tiefer und drückt ihr das gewünschte Reclam-Heft in die Hand, während sie noch schimpft: »Ach, die Jugend von heute. WIR haben so was damals doch noch freiwillig gelesen!«
Doch auch die moderne Literatur bringt solch unterhaltsame Sachen hervor. Da behauptet Thilo Sarrazin schon mal »Deutschland putzt sich weg« und die besten Kochbücher gibt es natürlich im Verlag der Gräfin Unzer. Im Kino laufen die »Chroniken von Namibia« und die Kleinsten bekommen zu Weihnachten ein Fummelbuch. Und dass der Kunde mit »das Buch Sigrid« keine Erweiterung der Bibel meint, sondern »The Secret« von Rhonda Byrne, das will gelernt sein. Ebenso wie eine freundliche Antwort auf die Fragen, was denn wohl der englische Titel von Stephenie Meyers »Twilight« sei oder wo denn »Die Hexe Lillifee« steht, während die »Feuchtbiotope« von Charlotte Roche schon zum Standard gehören.
Und wenn am Ende doch mal alles zu viel wird, genehmigt man sich nach Ladenschluss ein, zwei Gläschen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt – denn wie sagt der Herr Hirschhausen so schön? »Die Leber beißt sich durch« ...

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