Freitag, 10. Dezember 2010

Alle Jahre wieder - Anekdoten von hinter der Ladentheke

10. Dezember

Das winterliche Wetter hat viele Tücken, mehr noch als den täglichen Verzug der Lieferungen, bei denen sich bald schon so etwas wie Routine einstellt. Denn wenn die Kollegin mit dem schwer beladenen Bücherwagen um die Ecke kommt, ist jedem klar: Ab jetzt gilt es, möglichst jeden Kunden von ihr fernzuhalten. – Dass das eher selten gelingt, steht auf einem anderen Blatt.
Auch mit dem täglichen Schneeschieben auf dem Hinterhofparkplatz findet man sich ab, schließlich ist auch einem Buchhändler an der Gesundheit des eigenen Autos gelegen. Und wenn die Ladentür mal zu geräuschvoll wird, holt man kurzerhand den Besen raus, um den Streukies wieder dahin zu kehren, wo er rechtmäßig und sinnvoll seine Arbeit tun kann.
Den triefenden Teppich lernt man zu meiden und die Wasserlachen rechts und links davon wischt der Azubi auf allen Vieren auf. Dass die neuen Bluejeans danach ›Bluejeans with matschbrown knees‹ sind, ist zu verschmerzen. – Sieht ja irgendwie modern aus und das Umziehen lohnt sich sowieso nicht. Schließlich steht das Wasser schneller wieder da als man den vollen Eimer ausleeren kann.
Doch Schnee und Eis haben noch viel mehr Spaß und Spannung zu bieten, denn sie machen nicht nur die drei Stufen vor der Eingangstür zu einem unvergesslichen Erlebnis, sondern lassen das tägliche Platzieren der Außenware – der sogenannten Wühltische – zum Abenteuer werden. Eine tragbare Rampe, welche die Treppe überspannt, ist im Allgemeinen recht praktisch. Doch im Winter wird das glatte Metall in Verbindung mit schweren Straßenwagen zur perfekten Mordwaffe. Denn einmal von so einem Geschoss überrollt, steht man so schnell nicht wieder auf. Wer sich unliebsame Angestellte also möglichst kostengünstig vom Hals schaffen will, ist damit sehr gut beraten.
Eine andere Möglichkeit ist, im ohnehin schon zugigen Laden einfach mal die Heizung ausfallen zu lassen. So eine zu Eis erstarrte Statue einer hübschen Buchhändlerin hat ja auch ihren Reiz und es ist alles im Lot, solange die Kunden noch bemerken:
»Schön warm haben Sie’s hier!«

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