Dienstag, 7. Dezember 2010

Alle Jahre wieder - Anekdoten von hinter der Ladentheke

7. Dezember

Neben den unerfüllbaren Wünschen, die jedes Weihnachtsgeschäft umso spannender machen, gibt es auch noch die, welche die hellseherischen Fähigkeiten des Buchhändlers gehörig auf die Probe stellen.
Im Allgemeinen denkt man ja gern mal für den Kunden mit und inspiriert ihn zu weiteren nutzbringenden Anschaffungen. Für den bevorstehenden Frankreichurlaub ist neben dem gerade ausgesuchten Reiseführer ja auch ein Sprachführer oder ein Wörterbuch ganz hilfreich. Warum nicht gleich noch ein PC-Sprachkurs vor der Abreise? Und wenn der gewünschte Bildband von London für den zurzeit dort residierenden Sohn gerade mal nicht vorrätig ist, wäre die »Gebrauchsanweisung für London« aus dem Piper Verlag vielleicht mal etwas anderes.
Nun ist es ja nicht so, dass es nicht ohnehin schon schwer genug wäre, zwischen Kasse und Einpacktisch auch noch einen Kunden zu beraten, während aller zwei Minuten von irgendwo ein »Fräuleeeeiiiin?« ertönt. Doch wenn der Kunde glaubt, der Buchhändler werde schon wissen, was das richtige Buch für ihn ist, ist er hin und wieder auf dem Holzweg.
So ist »Ich suche das Buch von dem Autor, der schon gestorben ist« ein besonders schönes Beispiel dieser Gattung von Kundenanfragen. Denn auch, wenn viele Autoren durch ihre Bücher unsterblich werden – das ewige Leben haben die meisten von ihnen nun mal nicht.
»Ich suche ein Buch« ist im Allgemeinen ein beliebter Einstieg ins Gespräch, der dem Buchhändler so viel sagen soll wie »Ich habe keine Ahnung, was ich eigentlich will. Bitte hilf mir!«
Meist soll das Buch ein Last-Minute-Geschenk sein für eine Person, die der Kunde kaum kennt. Auf die Frage, was derjenige denn so lese, bekommt man dementsprechend oft die entgeisterte Antwort »Woher soll ICH das denn wissen?«, meist bestärkt durch den Zusatz »Ich dachte SIE könnten mir das sagen!«
Natürlich führt man den Kunden gern zu den gerade besonders angesagten Titeln. Verwunderlicherweise trifft man ebendiese Kunden fast immer noch ein zweites Mal – ein paar Tage später an der Kasse, beim Umtausch des gekauften Buches. Begründung: »Ihre Kollegin hat mich falsch beraten. Der Beschenkte liest gar keine Krimis!«

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