Montag, 6. Dezember 2010

Alle Jahre wieder - Anekdoten von hinter der Ladentheke

6. Dezember

Nikolaus ist oft der Tag der besonderen Kundenwünsche. Vor allem der unerfüllbaren.
»Fräulein!«, tönt es schon von Weitem, als eine aufgeregte Kundin durch die Eingangstür stürmt. »Fräulein, ich suche das Buch, das Sie vor ungefähr vier Wochen genau hier liegen hatten«, erklärt sie, auf einen gut gefüllten Büchertisch zeigend. »Das war so grün und vorn stand ganz groß der Autor drauf. Hinten war da so eine Zusammenfassung vom Inhalt, die klang richtig spannend!«
Als man erklärt, dass einem zu dieser präzisen Beschreibung leider spontan kein passendes Buch einfalle, wird dies mit einem verwirrten Blick quittiert. »Können Sie da nicht in ihrem schlauen Computer nachschauen?«
»Natürlich«, erklärt man der guten Frau, schließlich möchte man ja gerne helfen. »Aber der Computer kann nicht nach Farben suchen. Wissen Sie irgendetwas aus dem Titel? Oder den Namen von Autor oder Verlag?«
Es folgt ein noch verwirrterer Gesichtsausdruck. »Ja also ... Sie müssen doch wissen, was da lag!«
Man kommt gar nicht dazu, sich allzu viele Gedanken über das gesuchte Buch zu machen, da tönt es bereits verzweifelt zwischen den Kalendern hervor: »Ich suche einen Kalender, einen zum Aufhängen. So groß!« Der Kunde malt hilflos die gewünschten Maße in die Luft. Auf die Frage nach dem Motiv blickt er dann allerdings recht ratlos drein. »Keine Ahnung, ich soll ihn nur besorgen und meine Schwester meinte, den hätten Sie da!«
Umso mehr freut es den Buchhändler, wenn er nach einer Suche doch einmal fündig wird: Die nächste Kundin sucht ein Buch, welches ihr von einer Freundin per Telefon empfohlen worden ist. Leider konnte sie nicht so schnell mitschreiben, wie die Dame am anderen Ende der Leitung sprach, und weiß deshalb nur, dass im Titel »irgendwas mit ›wünschen‹« vorkommen soll. Die Suche danach liefert weit mehr als eintausend Treffer – schließlich wird gerade zu Weihnachten ja bekanntlich recht viel gewünscht. Doch zum Glück war die Kundin so weise, sich das aufzuschreiben, was sie beim Gespräch mit ihrer Freundin für den Autor hielt. Da sie den Namen ihrerseits nicht mehr entziffern kann, wirft man selbst einen Blick auf ihren Zettel – und es klickt, irgendwo tief drinnen im Buchhändlerkopf. Das hat man doch schon einmal irgendwo gehört ... Ach ja! Man verwandelt kurzerhand den Autor in einen Verlag, tauscht hier und da einen Buchstaben aus – und siehe da, nur noch zwei Treffer, von denen ein Buch nicht mehr lieferbar ist. Hoffnungsvoll präsentiert man der Kundin das andere und erntet einen begeisterten Jubelschrei. »Jaaa, genau das ist es! Sehen Sie, Fräulein, deshalb komme ich so gern zu Ihnen«, lobt sie, »Von Ihrer Konkurrenz da drüben, da hab ich ja noch zwei Gutscheine. Aber die finden ja nie, was ich suche!«
Fast könnte man Mitleid haben mit den Kollegen von der Konkurrenz.
Fast.

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