Freitag, 3. Dezember 2010

Alle Jahre wieder - Anekdoten von hinter der Ladentheke

3. Dezember

Vermutlich wird niemand widersprechen, wenn man sagt, dass zum Winter auch der Schnee gehört. Schließlich freut sich jeder schon lange vorher auf weiße Weihnachten.
Blöd nur, wenn schon die erste Schneeflocke ein Wetterchaos auslöst, das seinesgleichen erst noch finden muss.
Da kommt es schon mal vor, dass die lieben Kollegen mit dem Auto im Schnee stecken bleiben und der Azubi den Laden allein öffnen muss, oder der Lieferant mit den bestellten Büchern irgendwo auf der Autobahn steht. Und steht. Und steht ...
Es hüpft das Buchhändlerherz, denn es weiß, dass sich zumindest an Letzterem bis Weihnachten nichts mehr ändern wird.
Aber gut, es gibt genug zu tun, sodass es oftmals sogar sehr gelegen kommt, wenn man morgens hinter geschlossener Ladentür noch ungestört werkeln und wichteln kann. Und wenn der Lieferant dann doch noch eintrifft, kann man sich auf die eine oder andere Überraschung freuen, schließlich ist ja bald Weihnachten. Da fehlt schon mal das eine oder andere Paket oder die richtige Kiste ist in der falschen Buchhandlung gelandet. Macht aber nichts, denn der Azubi wird sie schon abholen und bei der Gelegenheit gleich ein bisschen Spionagearbeit leisten. Ist es bei der Konkurrenz genauso voll? Haben die etwa den neusten Bestseller schon in den Regalen stehen, der schon seit Wochen als »nicht lieferbar« gilt?
Richtig interessant wird es aber, wenn der Schnee hoch genug liegt, um Pakete darin zu versenken. Das tun Lieferanten nämlich besonders gern. Dabei werden dann auch die weiteren Qualitäten von Taschenbüchern deutlich: dass Ken Folletts »Säulen der Erde« auch wunderbar einen Schwamm ersetzen können zum Beispiel. Warum nicht auch gleich den vor Wasser triefenden Teppich im Eingangsbereich austauschen, der dem Reinigungspersonal solches Kopfzerbrechen bereitet?
Doch wer denkt, dass der Spaß hier schon aufhört, der irrt, denn Lieferanten sind ein lustiges Völkchen und lassen sich jeden Tag etwas Neues einfallen. Sei es eine mit Kisten zugemauerte Hintertür oder der Kunde, der leicht pikiert die Nase rümpft, wenn man ihm statt der bestellten Bibel das gelieferte Kamasutra vor die Nase hält.
Umso mehr freut es den Buchhändler da, wenn ihn aus den Verlagspaketen schokoladengefüllte Adventskalender, Gummibärchen oder auch die eine oder andere Buchstabensuppe anlachen. Und spätestens, wenn die Kollegin aus der Belletristik schreit »Die Mandarinen sind da!«, weiß auch der Letzte:
Ach ja, es ist mal wieder so weit.

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