Sonntag, 6. August 2006

Augenblicke


Blau. Wie das Meer. Tiefblau. Ein Ozean, in dem man versinken, sich verlieren kann.
Helle Sprenkel darin, wie die Schaumkronen auf den Wellen der See.
Schwarz, wie die unendlichen Tiefen des Pazifiks, wo Wasser und Erde aufeinandertreffen. Wo niemals Sonne scheint, endlose Nacht.
Doch diese Augen haben das Meer nie gesehen, Wasser nicht oft genug.
Dennoch – ein Lächeln darin. Zaghaft, kaum zu sehen, trotzdem ist es da.
Der Blick fällt auf einen kleinen Stein. Winzig, aber dennoch da. Schillert bunt im kargen Sonnenlicht. – Staub in der Luft, verdeckt die Welt. Dennoch: Kinderglück.

Zwei weitere Augen, kaum zwei Schritte entfernt.

Braun. Wie das Rinnsal, welches die alte Pumpe zutage fördert.
Helle Sprenkel darin, wie die Blitze der Bomben am Horizont. Bomben, die wie Regentropfen stetig fallen.
Schwarz, wie die Seen aus Öl, die jeden Tag aufs Neue brennen, wie der Qualm, der einen trüben Schleier über die Augen legt, die Angst verdeckt.
Diese Augen haben Glück nie gesehen, Freude nicht oft genug.
Deshalb – Tränen darin. Heimlich, kaum zu sehen, trotzdem sind sie da.
Der Blick fällt auf eine Pfütze Benzin. Winzig, aber dennoch da. Schillert bunt im kargen Sonnenlicht. – Staub in der Luft, verdeckt die Welt. Dennoch: Kinderleid.

Plötzlich: Die Blicke suchen einander, treffen sich. Halten sich fest, nur einen kurzen Augenblick.
Sind sich Halt in einer haltlosen Welt.
Spenden sich Trost in einer trostlosen Zeit.
Schenken Vertrauen dem misstrauischen Blick.
Suchen Hoffnung, die es für sie beide nicht gibt.

Denn sie sind Kinder des Krieges.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Mitgelesen

Archiviert

Copyright © Gedankenmalereien | Powered by Blogger

Design by Anders Noren | Blogger Theme by NewBloggerThemes.com